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La Ferme de la Culture Sauvage

Von Kompromissen und Bequemlichkeit

Es sagt schon was über das Bild aus, das man bei andern erzeugt hat, wenn die Freunde nicht glauben können, dass man sich eine Spülmaschine zulegen will. Und das obwohl wir keinen Hehl darum machen, dass Abspülen bei uns DIE eine Sache ist, die nie jemand machen will. Im Gegensatz zu den ganzen andern Aufgaben wie Fegen, Müllmanagement und so weiter, für die wir mit der Zeit ganz gute Lösungen gefunden haben.

Wie viel Bequemlichkeit soll's sein?

Aber es stellt sich natürlich für uns - wie für viele andere, die einen ähnlichen Lebensstil angehen - die Frage, wie viel wir uns von technischen Hilfsmitteln helfen lassen wollen. Und wie viel wir - notgedrungen oder auch gerne - selber machen.

Wo hört Notwendigkeit auf und fängt Bequemlichkeit an? Anders gefragt: ist das notwendig - oder kann das weg?

Man könnte jetzt eine allgemeinere Diskussion darüber anfangen, warum man überhaupt auf Dinge verzichten sollte, die offensichtlich hilfreich und verfügbar sind. Fakt ist: es ist nicht unser Weg, uns von allzuvielen Helferlein zu umgeben und uns von ihnen abhängig zu machen.

Deshalb haben wir den Staubsauger gegen den Besen getauscht. 

Tüfteln an einer fußbetriebenen Mühle und Waschmaschine

Hängen Wäsche auf und kommen gut ohne Trockner klar. 

Und so weiter... 

Wie machen das andere Selbstversorger?

Mir sind bisher vor allem zwei Dinge aufgefallen, die andere Selbstversorger nutzen und von denen sie sich auch schwer trennen könnten: die Gefriertruhe und die Kettensäge.

Ersteres vor allem dafür, das Fleisch größerer Tiere aufzubewahren, das man nicht gleich verzehren kann. Aber auch weil das Einfrieren von Gemüse zwei grandiose Vorteile hat: es schmeckt nachher annähernd gleich und die Nährstoffe bleiben überwiegend erhalten.

Die Kettensäge wiederum ist DAS Mittel, um Holz verarbeiten zu können. Viele Male schneller als es mit einer Handsäge möglich wäre. Sei es für Brennholz oder für Baumaterial. Als ich vor über zwei Jahren bei einem Workshop im natürlichen Bauen in Frankreich war, gehörte die Kettensäge jeden Tag dazu, obwohl wir ansonsten alles (!), von Hand machten.Wir hätten wohl viele Tage allein damit zugebracht, das alles von Hand zu sägen...

Was bedeutet das für uns?

Wir wägen ab. Und inzwischen können wir auch auf ein paar Erfahrungen zurückgreifen.

Wir stellen fest, dass sich - trotz allerbester Vorsätze - die Geschirrberge immer wieder türmen. Dass uns das unverhältnismäßig frustriert. Und dass wir andere um ihre - wohlgemerkt kleinen - Spülmaschinen beneiden. Die Konsequenz: wir möchten uns auch so ein Ding zulegen. Weil wir davon ausgehen, dass es unser Leben an einer Stelle einfacher macht, für die wir diesen Kompromiss eingehen wollen. Überproportional einfacher.

Auch eine kleine Gefriertruhe steht - nach über vier Jahren ohne - auf dem Wunschzettel. Weil sie uns ermöglicht, gewisse Dinge auf Vorrat herzustellen oder von andern zu kaufen. Was dies wiederum effizienter macht. Aber dafür warten wir noch etwas ab, bis sich an unserem neuen Zuhause Normalität einstellt, um wirklich abschätzen zu können, ob so ein (energieintensives) Ding für unseren Lebensstil Sinn macht.

Eine Kettensäge - vermutlich eine elektrische - steht sogar noch über der Spülmaschine auf unserer Liste. Die werden wir definitiv brauchen, um einen Teil unseres Brennholzes selber zu machen. Das spart Kosten und Wege und Aufwand und ist für uns einer dieser perfekten Kompromisse.

Warum gerade jetzt?

Verrückt eigentlich, dass sich ausgerechnet durch unseren bisher größten Schritt in Richtung Selbstversorgung so viele Überlegungen in Richtung "Elektrifizierung" ergeben. Was die Spülmaschine angeht, hat das mit Erfahrungswerten zu tun. Gefriertruhe und Kettensäge brauchen wir aus neuen Notwendigkeiten heraus - und zwar genau aus denen, die mit mehr Selbstversorgung zu tun haben.

Wir werden mehr Platz und mehr Möglichkeiten haben. Und es geht auch überhaupt nicht darum, sich das Leben möglichst schwer zu machen. Sondern darum genau abzuwägen: Was brauchen wir wirklich? Was WOLLEN wir wirklich? Welche Kompromisse sind wir bereit einzugehen?

Haben wir alle anderen Optionen ausreichend bedacht? Meistens kommen wir dann zu dem Schluss lieber mehr Arbeit mit etwas zu haben, als uns die scheinbare Erleichterung auf anderem Weg (meistens über Geld) zu erkaufen.

Denn: auch Bequemlichkeit hat ihren Preis.

08.02.2017
Nadine
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