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La Ferme de la Culture Sauvage

Träume, Realität und der richtige Zeitpunkt

Es könnte so einfach sein: zur richtigen Zeit, mit den richtigen Menschen den richtigen Hof finden. Abgelegen, aber nicht abgeschnitten. Nicht zu groß und nicht zu klein. Mit Platz für einen selbst, für Gäste, für Tiere, für Kinder. Schlicht, aber nicht auseinanderbrechend. Günstig, aber bewohnbar. Naturnah und mit schnellem Internet...

Wenn man online oder über Bücher und Magazine den Menschen und ihren Geschichten folgt, die schon deutlich weiter sind als man selbst, die schon fünf oder zehn oder 20 Jahre ein naturnahes Selbstversorger-Leben leben, dann kann man durchaus zu dem Schluss kommen: so schwer kann es ja nicht sein. Wenn man davon liest, wie die Leute fermentieren und Hühner halten, Häuser und Solardörrer bauen und immer wieder experimentieren - dann wäre der Traum so greifbar...

Doch dieses Gefühl von »zum Greifen nah« ist auch tückisch. Denn darüber kann man schon auch mal vergessen, dass der Entwicklung und der Erkenntnis, von der man liest, den schönen Fotos und den schlüssigen Texten, immer auch zwei Dinge voran gehen: Zeit und Scheitern.

Zwei der in dieser Welt am schwierigsten zu ertragenden Tatsachen.

Grade dann, wenn die Träume detailreich, gut durchdacht und ausgereift sind, wird es wahrscheinlich, dass sie nicht so in Erfüllung gehen. Je mehr wir uns vorstellen, desto mehr kann nachher anders sein.

Anders.

Das tut erst mal weh. Frustriert. Macht Angst.

Kommen wir damit klar, dass es direkte Nachbarn gibt? Würden wir uns völlig abgeschieden überhaupt wohl fühlen? Nervt es uns irgendwann, dass so ein großer Teil des Grundstücks am Hang liegt? Ist das Haus wirklich groß genug? Oder zu groß? Oder sogar viel zu groß?

Woran können wir fest machen, wann es richtig ist? Der richtige Zeitpunkt? Der richtige Kompromiss? Das richtige Richtig? Und noch wichtiger: das richtige Falsch?

Es heißt, dass wir bei Entscheidungen, bei denen es mehr als sieben Faktoren zu berücksichtigen gibt, mit dem Bauch die besseren Entscheidungen treffen als mit dem Kopf, weil unsere Logik so viele Punkte gar nicht mehr überblicken kann.

Ist es also am Ende vor allem eine Sache des Bauchgefühls?

Wir haben viel - sehr viel - darüber nachgedacht, wie wir leben wollen. Wir haben manches davon schon umgesetzt, und von all dem wiederum einiges wieder gelassen oder angepasst. Wir haben uns viel an der Logik, immer aber auch am Bauchgefühl bedient. Jeder auf seine Weise und in seinem Maß.

Vieles was wir uns wünschen hat mit logischen Überlegungen zu tun. Wenn das Bauchgefühl sagt, dass wir unsere Zeit am liebsten zuhause und miteinander verbringen, dann sagt die Logik, dass wir zuallererst ein Zuhause und einen Lebensstil schaffen müssen, die das ermöglichen. Ein Zuhause, wo wir uns wohl fühlen. Und von dem aus wir - auf welche Weise auch immer - unseren Lebensunterhalt bestreiten können.

Und während die Logik dazu noch hinzufügt, dass wir wenn wir weniger von Außen konsumieren auch weniger monitär arbeiten müssen, wiederum mehr selbstbestimmte Zeit haben, freut sich das Bauchgefühl weil es sich sowieso schon lange von zu viel abstraktem Konsum überfordert fühlt.

Wenn wir schließlich durch dieses Wechselspiel von Gefühl und Vernunft zu dem Schluss kommen, dass für uns ein Leben auf einem kleinen Selbstversorger-Hof das Beste ist, dann kann es irgendwann passieren, dass wir wirklich an so einem potenziellen Ort stehen, der für uns die Grundlage unserer Zukunft werden kann.

Bei all den Parametern, die man messen, prüfen und recherchieren kann, was für die Entscheidung zählt ist am Ende das: entsteht ein inneres Bild, wenn wir dort sind? Und können sich unsere Träume an diese Realität dann anschmiegen – wirklich, nicht anpassen: anschmiegen?

Diese Antwort müssen wir dann zulassen - ob sie unserer Logik nun gefällt oder nicht. Und vielleicht ist dann auch etwas ganz anderes gefunden: der richtige Zeitpunkt.

26.01.2017
Nadine
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